Irene Vehring - CDU
Wie haben Sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt?
Ich habe zuerst im Internet recherchiert. Dort bekommt man einen groben Überblick, da viel über Bernd Rosemeyer veröffentlich ist. Doch die meiner Meinung nach besten Informationen erhielten wir von Dr. Remmling, dem früheren Stadtarchivar. Später wurde dann ja auch in der Öffentlichkeit viel darüber diskutiert.
Wie beurteilen Sie seinen Eintritt in die Schutzstaffel?
Für mich sind hier zwei Punkte wichtig. Zum einen war Bernd bei seinem Eintritt in die SS mit 23 Jahren noch jung. Zum anderen wurde die SS ursprünglich mit der Maßgabe des Ausführens des Polizeidienstes innerhalb der Partei. Das heißt der Charakter der späteren SS war zur Zeit seines Eintritts noch nicht ganz klar. Außerdem galt die SS im Gegensatz zur SA als Elite-Organisation. Nach meinem Eindruck hatte Bernd Rosemeyer nur eins im Kopf: Rennen fahren. Um seine Rennfahrerlizenz zu behalten musste er sowieso einer Organisation beitreten und für ihn passte diese Elite-Organisation da recht gut. Ich glaube nicht dass er sich persönlich viele Gedanken über den Beitritt gemacht hat. Wie schon gesagt hatte er nur das sportliche im Kopf. Hinzu kommt das familiäre, da sein Onkel auch Mitglied der SS war. Ich denke sein Beitritt in die SS hatte mit Sicherheit nicht die Bedeutung die er heute in der Öffentlichkeit bekommen hat. Meines Erachtens hat er die politischen Aspekte völlig ausgeblendet und nur seinen persönlichen Vorteil gesehen. Und das ist umgekehrt auch ganz klar der Vorwurf den man ihm machen muss, dass er sich zu wenig Gedanken gemacht hat über das was er getan hatte.
Kann man ihm vorwerfen, dass er mit dem Eintritt in die SS einen Fehler gemacht hat?
Ja, das muss man meiner Meinung nach ganz klar mit „Ja“ beantworten. Er hat sich mit dem Regime zu wenig auseinander gesetzt und sah, wie eben schon gesagt nur seinen persönlichen Vorteil. Er war 23, also auch kein Kind mehr.
Hat Bernd Rosemeyer das NS-System oder das System Rosemeyer ausgenutzt?
Sie haben sich gegenseitig ausgenutzt. Da bin ich mir ganz sicher.
Bernd Rosemeyer wäre ohne den Beitritt nicht zum Helden der damaligen Zeit geworden, er war ja wie man überall liest neben Max Schmeling eines der ganz großen Idole der damaligen Zeit und er liebte auch diese Berühmtheit und hat es offensichtlich auch genossen gefeiert zu werden.
Auf der anderen Seite hatte aber auch das System mit Rosemeyer seinen Helden und hat sich mit ihm geschmückt. Er war der Stolz der Deutschen. Hitler sagte „einer der allerbesten und mutigsten Pioniere unserer Zeit“. Das System glaubte ja nur die Weltbesten hervorzubringen und dazu passte natürlich wunderbar Bernd Rosemeyer.
Wie stehen Sie zu den Feierlichkeiten, die zu seinem Geburtstag anstehen?
Ich finde, dass wir hier eine gute Lösung gefunden haben. Auf der einen Seite haben wir die Oldtimer Klassiks, die einfach seine Leidenschaft zum Rennsport ausdrückt. Auf der anderen Seite die Vortragsreihe die eben nicht populistisch sondern informativ sein soll. Ich habe im Kulturausschuss auch immer wieder gesagt, dass man diese Zeit auf keinen Fall totschreiben kann sondern dass wir einfach alle daraus lernen müssen. Grade die Vortragsreihe finde ich besonders gut, denn hier kann eine vernünftige, angemessene Aufarbeitung und Information erfolgen und vielleicht kann man auch das ein oder andere in die heutige Zeit mittransportieren.
Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang den Beschluss des Kulturausschusses?
Ich halte den Beschluss des Kulturausschusses für gut und in dieser Sache auch angemessen.
Inwieweit kann man Bernd Rosemeyer mit heutigen Rennfahrern vergleichen?
Zuerst einmal bin ich in dieser Szene absolut nicht Zuhause, doch auch wenn man sich nicht auskennt kann man sagen, dass ja auch Michael Schumacher jahrelang fast als Held gefeiert worden ist. Es scheint, wenn man den ganzen Jubel und die Vermarktung betrachtet, auch heute noch Parallelen zu geben.
Welche Faszination, die von Rennfahrern ausgeht, bringt Menschen dazu, diese zu bewundern?
Ich glaube, dass ist die gleiche Faszination, die von allen Spitzensportlern ausgeht. Vielleicht kommt auch noch der Kick der hohen Geschwindigkeit dazu. Ansonsten werden da Jahresgehälter verdient, die in keinem Verhältnis zu irgendeiner Tätigkeit stehen. Das machte den Rennsport so unheimlich populär und die Rennfahrer so bekannt und dadurch werden sie bewundert.
Was denken Sie, was aus Bernd Rosemeyer geworden wäre, wenn er länger gelebt hätte?
Das weiß kein Mensch. Möglicherweise hätte er sich distanziert, aber warum soll man hier spekulieren.
Warum waren die beiden das perfekte Glamour-Paar?
Eben weil sie beide so bekannt waren. Und als Frau zur damaligen
Zeit Sportfliegerin, so etwas mutiges, verrücktes,
außergewöhnliches, zu sein, das war schon etwas was man wunderbar in der Presse ausschlachten konnte. Beide fanden es auch schön. Und dann so eine Frau mit dem bekanntesten Rennfahrer als Paar war ein gefundenes Fressen für die Presse, zumal die beiden auch gerne in der Öffentlichkeit und sich auch wunderbar vermarkten ließen. Es ist heute noch genau das Gleiche.
