Mit „Wer wird Mathionär?“ zur Note Eins plus

Lingen Die Schüler der 10c des Gymnasiums Georgianum sitzen im Klassenraum, spielen Monopoly oder eine als Kartenspiel gestaltete Variante von „Wer wird Millionär?“. Auf einem Smartphone läuft ein Musikvideo. Haben die Teenager gerade Pause? Nein: Das ist eine ganz normale Mathe-Stunde.

„Mathenopoly“ haben Cara Löffler, Nadine Stover und Mailin Dohrmann die von ihnen entwickelte Variante des Brettspielklassikers Monopoly genannt. Die Spielkarten sind laminiert, das Spielbrett getreu dem Original ebenso liebevoll wie hochwertig gestaltet. „Exponentialstraße“

Doch es gibt einen Unterschied: Die Straßen tragen Namen mit Mathematikbezug; die teuerste heißt nicht Schlossallee, sondern Exponentialstraße. „Exponentialfunktionen waren das schwierigste Thema in diesem Schuljahr“, sagt Cara. Die 16-Jährige erläutert auch eine Abwandlung der Spielregeln: „Wer eine Straße kaufen möchte, kann dies nur, wenn er vorher eine dazugehörige Matheaufgabe gelöst hat.“

Die Aufgaben sind abgestuft: „Je teurer die Straße, umso höher der Schwierigkeitsgrad“, erklärt Cara. Die Aufgaben hätten sich sie und ihre Mitschülerinnen teils selbst ausgedacht, teils aus Schulbüchern übernommen.

Die Aufgabe, Spiele zu entwickeln, hatte Mathelehrer Martin Glosemeyer seinen Schülern gestellt. „Die Kreativität der Schüler wird zu wenig gefordert und gefördert“, sagt Glosemeyer. In den jungen Leuten stecke so viel drin, was herausgekitzelt werden müsse. „Das Spiel zu entwickeln hat Spaß gemacht, und es war etwas anderes als der trockene Unterricht“, sagt Cara.

Dieser Auffassung ist auch Theresa Degenhardt. Die ebenfalls 16-Jährige hat mit ihrer Klassenkameradin Anna Böttcher das Spiel „Wer wird Mathionär?“ entwickelt. „Ich fand es schön, etwas Kreatives machen zu können“, erklärt Theresa. Warum sie sich mit Anna für eine Variante von „Wer wird Millionär?“ entschieden hat? „Wir wollten etwas besonders Ansprechendes machen, dessen Grundidee allen bekannt ist“, beantwortet Theresa die Frage.

Die beiden Schülerinnen haben das Spiel etwas abgewandelt. „Unsere Variante können bis zu sechs Leute gleichzeitig spielen“, erläutert die 16-Jährige. Langeweile sei bei der Spielentwicklung nicht aufgekommen: „Das größte Problem war, den Schwierigkeitsgrad der Fragen zu bestimmen.“ Diese umfassen den Mathematik-Lernstoff der Klassen 9 und 10. Lehrer Glosemeyer hat sein Ziel erreicht: „Die Schüler haben sich mit dem gesamten Lernstoff aus zwei Jahren noch einmal intensiv beschäftigt.“

Die Idee zu dieser kreativen Art, den Stoff zu wiederholen und zu verfestigen, hatte Glosmeyer übrigens schon in der Zeit vor Corona.

Kein Spiel entwickelt, sondern einen Song geschrieben haben Lilly Hoff, Kim Janssen, Julia Löpker und Celine Beel. Zu der Musik von Mark Forsters Lied „Chöre“ erklären die vier Schülerinnen in einem Video die Potenzgesetze. „Die Potenzgesetze waren für mich das Schwierigste in diesem Jahr“, begründet Kim die Themenauswahl. Einen Mathesong zu schreiben sei mal etwas anderes gewesen. „Und das Singen gefällt uns einfach“, fügt Lilly hinzu.

So unterschiedlich die Ansätze der Schülerinnen sind, so haben ihre Ergebnisse etwas gemeinsam: Alle haben die Spitzennote „Eins plus“ bekommen. „Was soll ich bei diesen Ergebnissen denn noch anderes geben?“, fragt sich Mathelehrer Glosemeyer. Er möchte die Spiele später im Matheunterricht einsetzen, sie vielleicht sogar einem Schulbuchverlag anbieten. „Wir haben angeboten, dass er sich ,Wer wird Mathionär?‘ für den Unterricht ausleihen kann“, sagt Theresa, die das Spiel gerne behalten möchte. Cara denkt da etwas anders: „Die Schule kann ,Mathenopoly‘ gerne behalten.“

Eine Frage bleibt: Warum sind es nur Mädchen, die als Note eine „Eins plus“ bekommen haben? Sängerin und Songschreiberin Celine möchte darauf nicht antworten: „Sonst bekomme ich Ärger mit den Jungs“, meint sie etwas verschämt und lachend zugleich. Die Antwort gibt dann Glosemeyer für sie: „Die Mädels dieser Klasse sind einfach besser in Mathe.“

Hier geht es zum Mathe-Song: https://www.noz.de/video/49211/mathesong-des-lingener-gymnasiums-georgianum

Mathenopoly hier gespielt von Cara Löffler und Maria Serpe, entwickelt von Nadine Stover, Cara Löffler und Mailin Dohrmann.
Wer wird „Mathionär“? Gespielt hier von Julia Löpker, Celine Beel und Theresa Degenhardt. Entwickelt von Anna Böttcher und Theresa Degenhardt.

Quelle: noz.de

Bilder: Martin Glosemeyer